Donnerstag, 7. Juli 2016

Indisches Filmfest Stuttgart

Von manchen Dingen träumt man ja ein Leben lang, etwa Sharukh Khan zu treffen oder mal bei einem Filmfestival nicht nur über den roten Teppich zu laufen, sondern auch in der Jury zu sitzen. Dieser Traum wird jetzt für mich wahr: in 2 Wochen werde ich in Stuttgart beim Indischen Film Fest zusammen mit Huan Vu und Insa Wiese aus 16 nomierten Kurzfilmen einen Gewinnerfilm wählen.

Auf dem Festival werden übrigens nicht nur viele tolle Filme als Deutschland oder sogar Europapremiere gezeigt, sondern es gibt auch ein cooles Rahmenprogramm mit Tanz, Tabla, Ausstellungen und vielem mehr. Ich freue mich schon sehr auf Stuttgart (seit kurzem auch eine von 7 Städten in Deutschland mit einem #DMW-Quartier!!) und natürlich auf die Filme! 
Folgt dem Hashtag #IFFStuttgart oder kommt direkt dort zum Festival für mehr - und funkt mich an!

Mittwoch, 29. Juni 2016

#महिला संघ #Sisterhood

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #Sisterhood der Digital Media Women e.V.. Ich leite das Quartier der #DMW in Rhein-Main

Diddi! [दीदी] 

In Indien nennt man so die große Schwester im familiären Umfeld. Als ich damals in Delhi war, haben meine exzellente Kommilitonin Anna und ich uns auch so angeredet – schon bevor wir los geflogen sind. Vor Ort wohnte ich auf dem Campus in einem reinen Frauenwohnheim, in dem Männer nur unter strengsten Auflagen erlaubt waren – etwa als Köche oder in der Administration, aber niemals als Besucher. Das Leben dort, in dieser sehr femininen Umgebung war durchaus speziell. Meine Nachbarin im Nebenzimmer war ein Sikh, die Naturwissenschaften auf Ph.D. studiert hat. Da es ihre Religion gebietet, hat sie sich noch nie die Haare geschnitten. Jeden Morgen traf ich sie im Gang vor unseren Zimmern während sie ihre laaaaaangen Haare ausgiebig kämmte. Eine Bewohnerin des Hostels aus Japan hatte aus ihrem 7m² Zimmer ihr Bett zu Gunsten eines Kühlschranks (illegalerweise) verbannt. Sie schlief traditionell einfach auf dem Boden. Eine besondere Begleitung wurde mir durch Rhia zuteil: sie zeigte mir, wie man einen Sari wickelt, wie kompliziert Beziehungen zwischen Männern und Frauen in Indien sind und was es bedeutet, einen unabhängigen Weg zu gehen. Das Gemeinschaftsgeühl unter den Bewohnerinnen war stark, zumal es eine Antagonistin gab: die Madam, die das Hostel leitete. Professorin, Hausdrache und Göttin der Willkür in Personalunion konnte sie je nach Laune unser Leben schwierig machen - etwa bei der monatlichen Abrechnung der Zimmer, für die man mit abgezahltem Bargeld in einem 1h Slot erscheinen musste... 

#Sisterhood heute

Aber genug der folkloristischen Anekdoten - was bedeutet mir die Schwesternschaft, die Verbundenheit mit anderen Frauen allgemein? Meine beiden Schwestern sind natürlich ganz wichtig - und auch wenn wir ganz unterschiedliche Wege gehen, vertraue ich doch beiden zutiefst. Ich habe auch immer viele Freundinnen mit denen ich schwimme, wohn(t)e, reis(t)e, Projekte umsetze und nicht zuletzt mit den DMW und vor allem mit dem Quartier Rhein-Main die Basis für ein richtig starkes Netzwerk. Im Beruf hält es sich momentan in Grenzen mit den Kolleginnen - als Selbstständige habe ich nur die Schreibtischnachbarinnen im Büro. Aber der Austausch mit ehemaligen Kolleginnen und auch die Beratung von Startup-Gründerinnen ist Teil des #Sisterhood - haben wir Frauen doch ähnliche Probleme in vielen Bereichen und gleichzeitig Stärken, die man nie unterschätzen sollte. 

Netzwerken, netzwerken, netzwerken

Mein Weg in die Selbstständig hätte ohne die DMW so nicht statt gefunden und es ist mir daher eine Herzensangelegenheit Frauen zu unterstützen - sei es konkret mit Texten, PR, Social-Strategie und kreativen Ansätzen, oder aber einfach zwischenmenschlich mit zuhören, kleinen Albernheiten, etwas krudem Humor und kleinen Alltagsweisheiten. Nicht, dass ich Männer weniger schätze, aber mit Frauen ist es oft einfacher über fundamentale Dinge einvernehmlich zu sein und entsprechend schwesterliches Verhalten und Vertrauen zu empfinden. Vor allem in der Digitalbranche ist es auf den oft von Männer dominierten Events häufig nur ein Blickwechsel und schon hat man sich mit den wenigen anderen Frauen verbündet - spätestens wenn man sich auf der Toilette trifft. Vielleicht sind das die Altherrenclubs der Zukunft - die Frauenbekanntschaften auf der Toilette, die schließlich starke Seilschaften werden und "diese Sache mit der Gleichberechtigung" irgendwann endlich obsolet machen. Dazu passt mein Vortrag vom #wmfra zu Frauen und Gründung eigentlich ganz gut ;-) 

Dienstag, 12. April 2016

Maria Qamar

Die Verbindung westlicher Popkultur mit traditionellen indischen Werten und Darstellungsweisen ist häufig ein Schauplatz der Komik und des (ungewollten) Humors. Häufig endet die westliche (Pop)Kultur auch einfach im Tragen von Marken und Labels, die Personen dann "westlich, fortschrittlich" erscheinen lassen. Mein Versuch mit Henna Mehendis mit Rockabillysymbolen etc. zu malen, hat sich ja leider (noch) nicht durchgesetzt.

Maria Qamar ist die Vermischung der Siebdruckästhetik à la Roy Lichtenstein mit den Erwartungen der indisch-geprägten Gesellschaft an Frauen besonders gut gelungen. Auch bekannt als @Hatecopy zeichnet die Pakistani-Kanadierin wunderbare Eindrücke aus ihrem Leben ins Netz:


Einen umfassenden Artikel mit noch mehr Bildern findet sich in Broadly und bei Dazed.

Danke an Petra vom New Generations Independent Indian Film Festival, die mich auf Maria Qamar aufmerksam gemacht hat.

Dienstag, 29. März 2016

MASAAN

Jippie - ich habe beim Newsletter von Daniela Cappelutti gewonnen! Am 1. April gehe ich im Rahmen des Lichter Filmfest zur Deutschlandpremiere von Masaan
Hier gibt's den Trailer
  

Mittwoch, 2. März 2016

Interview: Katharina Finke „Mit dem Herzen einer Tigerin“


Katharina Finke
Foto: David Weyand
Katharina Finke, Jahrgang 1985 ist Journalistin, lebt als Global Correspondent aus zwei Koffern und berichtet für verschiedene deutsche Medien, etwa aus Indien für die taz, aus den USA für Spon oder über Besitz im BR. Am 15. März UPDATE: Am 26. April ist Katharina nochmal in Frankfurt und stellt ihr Buch „Mit dem Herzen einer Tigerin“ vor, in dem sie das Schicksal von Amila erzählt, das stellvertretend für die Situation in Indien stehen soll. Ich freue mich schon auf die Lesung und hatte vorab die Chance, Katharina ein paar Fragen zu stellen.

Du bist „Global Correspondent“ – wie kommt man zu so einem Beruf und wie entscheidest Du, von wo und worüber Du als nächstes berichtest? 
KF Man kommt nicht dazu, sondern man – in meinem Fall Frau – muss es wollen: immer wieder an unterschiedlichen Orten der Welt zu leben und von dort zu berichten. Die Entscheidung darüber, von wo und worüber ich berichte, liegt in der Regel bei mir. Denn ich schlage den Print-, Online oder TV-Redaktionen meistens die Themen vor. Die Auswahl der Orte hat unterschiedliche Gründe: in China war ich mit einem Stipendium, in Neuseeland kurz vorm Kino-Start des letzten Hobbit-Films und in Indien für die Buch-Recherche. Ich halte meinen Auftraggeber auf dem Laufende, über meinte Standorte, wodurch auch öfters Themen entstehen. Meine Schwerpunkte dabei sind: Reise, Nachhaltigkeit, Gesellschaft mit Fokus auf sozialen Projekten und Menschenrechtsthemen.

Wie kam es zu dem Kontakt mit Amila, der Hauptfigur aus Deinem Buch "Mit dem Herzen einer Tigerin"? Wie habt ihr konkret zusammen gearbeitet? 
KF 2011 bin ich das allererste Mal nach Indien gereist und war schockiert über die Diskriminierung von Frauen. Deswegen wollte ich unbedingt darüber schreiben. Nachdem ich einen Verlag dafür gefunden hatte, machte ich mich 2014 auf die Suche nach einer Protagonistin und reiste erneut nach Indien. Ich sprach einen Monat lang mit so vielen Frauen wie möglich. Am Anfang fiel es mir sehr schwer eine auszuwählen, weil alle eine Stimme verdient haben. Eine von ihnen war Amila. Was mich an ihr besonders beeindruckt hat, war dass sie trotz ihres eigenen schweren Schicksals es für wichtiger erachtet sich für andere einzusetzen und möchte, dass es den Frauen in Zukunft besser geht. Die Treffen mit ihr wurden durch eine kleine NGO ermöglicht, die sich in verschiedenen indischen Bundesstaaten für Frauenrechte einsetzt. Ich besuchte Amila zuhause und arrangierte mehrere Gesprächstermine mit ihr. Anwesend war, außer uns beiden, eine Dolmetscherin, um Amilas Aussagen von Hindi auf Englisch für mich zu übersetzen. Nicht nur weil Amila Analphabetin ist, wird sie den Text nie lesen, sondern auch weil sie das Buch nicht besitzen darf. Denn ihr Mann darf niemals davon erfahren. Aber ich werde ihr das Buch mit nach Indien nehmen, die Dolmetscherin wird einige Passagen übersetzen und ihr vorlesen. Mit einer englischen Version des Buches wäre das natürlich noch viel einfacher, weswegen unsere Hoffnungen darin sehr groß sind.

Cover: Mit dem Herzen einer Tigerin
Foto: David Weyand
Wie geht es für Amila jetzt weiter? Und was sind Deine nächsten Projekte?
KF Amila wird nach wie vor von ihrem Mann vergewaltigt, aber auch weiterhin von der Organisation betreut. Was nur möglich ist, weil diese ihre eigentliche Motivation nicht preisgibt. Weglaufen ist für Amila keine Option, da sie damit ihre fünf Kinder im Stich lassen würde und mit ihnen wegzulaufen ist quasi unmöglich. Deswegen kämpft Amila dafür, dass vor allem ihre zwei Töchter nicht das gleiche erleiden müssen wie sie.
Um sie dabei zu unterstützen und natürlich auch Amila selbst zu helfen, werden der Fotograf des Buches und ich im Herbst erneut nach Indien reisen. Dafür nehmen wir Spenden entgegen. Außerdem hat der Verlag Geld für Amila zur Verfügung gestellt. Leider kann ich ihr das nicht direkt geben, weil sie es nicht lange behalten könnte. Die derzeitige Überlegung ist daher das Nähzentrum, das von der Organisation vor Ort gegründet wurde weiter auszubauen. Denn es ist ein wichtiger Ort für die Frauen. Wahrscheinlich der einzige, wo sie für sich sein können. Zudem bin ich in Gesprächen mit Initiativen und Organisationen, in Deutschland und in Indien, um Amila zu helfen.
Darüberhinaus versuche ich durch Lesungen in Deutschland mehr Aufmerksamkeit auf die Thematik zu lenken. Denn sie wird uns noch eine Weile begleiten, so wie ich Amila. Ansonsten schreibe ich gerade an meinem nächsten Buch und plane weitere Reisen.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg und Kraft für Dich und Amila!
Mehr über Katharina gibt es hier. Lesungen des Buches "Mit dem Herzen einer Tigerin" sind am 7.3. in Ludwigsburg, 8.3. in Fürth, 10.3. in Heidelberg, 15.3. in Frankfurt, 21.4. in Dinklage und am 19.5. in Hamburg. Spenden sind willkommen.



Donnerstag, 25. Februar 2016

Master of None

Auf Empfehlung meiner liebsten Monatsschrift habe ich mir die großartige Serie "Master of None" (Netflix) angeschaut. Ideengeber, Schauspieler, Autor und vieles mehr ist der aus der Serie Parks & Recreation bekannte Schauspieler Aziz Ansari, dessen Wurzeln in Tamil Nadu liegen. In Parks & Recreation kommt der von ihm verkörperte Charakter Tom Haverford aus South Carolina und lebt teilweise in einer Scheinehe - seine Frau ist Kanadierin und braucht eine Greencard.
In seiner neuen Serie "Master of None" spielt Ansari Dev Shah, einen 30-jährigen Werbeschauspieler in New York. In dieser RomCom hat auch seine Rolle indische Wurzeln und Ansari lässt sogar seine eigenen Eltern zu Wort kommen und ihre Migrationsgeschichte erzählen (Folge 2 "Parents").  

Die für mich spektakuläre Folge 4 "Indians on TV" beginnt mit einem Zusammenschnitt indischer Charaktere im amerikanischen Kino/Fernsehen von 1990. Da werden bei "India Jones and the Temple of Doom"Affenhirne zum Essen kredenzt, Apu verkauft bei den Simpsons schon Slushee in seinem Convenience Store und wirklich jedes schlechte Klischee wird bedient. In der Folge wird neben des "brownfacings" eines ameriknischen Schauspielers um einen indischen Wissenschaftler in "Nummer 5 gibt nicht auf" darzustellen auch die Frage nach dem indischen Akzent thematisiert. 

Beim Casting für die Rolle eines indischen Taxifahrers weigert sich Dev einen Akzent zu sprechen und kriegt die Rolle nicht. Auf den Hinweis, dass Ben Kingsley in seiner Rolle als Gandhi auch Akzent gesprochen und einen Oscar bekommen habe, erwiedert er: "But he didn't win the Oscar just for doing the accent. I mean, it wasn't an Oscar for Best Indian Accent." Recht hat er.

Kürzlich sah ich Deadpool in Köln in der OV - natürlich ist auch dort Taxifahrer indischDopinder hört auch brav Hindi-Musik und ist verliebt in - tatsächlich scheint das also eine weiterhin präsente klassische Filmrolle zu sein. Die kritische Essenz der Folge "Indians on TV" ist hier noch mal sehr gut zusammengefasst und analysiert.

Ich kann diese Serie wirklich empfehlen - sie verbindet für mich auf bisher einzigartige Weise die leichte Erzählung einer Lebens/Liebesgeschichte mit konkreten Alltagsproblemen, die aber nicht wertend sondern deskriptiv einladen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Tollywood statt Bollywod



Schon nach der ersten Minute dieses Videos ist mehr passiert als in einem Till-Schweiger-Tatort in die Luft fliegen kann - und getanzt wurde auch noch. Jeder hat ja schon mal einen Bollywood-Film gesehen - oder zumindest reingezappt - oder davon gehört, dass das diese Filme sind, in denen immer soviel getanzt und gesungen wird und die so ewig lang sind. Das Video stammt aus dem Film Maryada Ramanna und ich bin über dieses *.gif auf den Film aufmerksam geworden.

Tollywood und Telugu

Auch in Telugu spricht der Herr zu uns!
Bollywoodfilme sind generell eher bombastisch und legen keinen großen Wert auf Realitätsnähe, wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt. Grundsätzlich gilt das auch für Tollywood-Filme. Diese werden in Telugu produziert, der größten dravidischen Sprache, die von über 74 Millionen Menschen in Indien gesprochen wird (Platz 3 hinter Hindi und Bengali).

Telugu spricht man vor allem im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu und angrenzenden Gebieten - allerdings werden diese Filme nicht in Bombay/Mumbai/Bollywood gefilmt, sondern eben in den Tollywood-Studios. Diese befinden sich allerdings bei Hyderabad, das nördlich von Tamil Nadu im Bundesstaat Telangana liegt.