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Donnerstag, 24. Mai 2018

Internationaler Yoga Tag in Frankfurt - 23.6.2018

Als ich damals nach Indien ging, hielt ich Yoga für esoterischen Hokuspokus. Rumsitzen, atmen, ein bisschen singen - kein Sport oder ernst zunehmendes Hobby, mehr so eine Beschäftigung für Hippies. Ich hatte auch nie vor, in Indien Yoga zu praktizieren, da die JNU ja ein Schwimmbad hat, in dem ich mein gewohntes Sportprogramm fortsetzen wollte. Aber es kam natürlich anders: Ende September, quasi mit Beginn des Winters wurde das Freibad witterungsbedingt geschlossen, weil zu kalt. Was ja nachvollziehbar ist, denn im Oktober liegen die Durchschnittstemperaturen in Delhi nur noch zwischen 33° und 21°C.

Unverhofft kommt oft

Es ergab sich, dass ich bei einer spontanen Reise in Manali eine Truppe etwas extremer Briten kennen lernte, die dort einen Yogakurs besuchten und mich einluden, doch mal mitzukommen. Ok - warum auch nicht, einmal ist kein mal - ich probierte es aus und amüsierte mich köstlich.

Aller Anfang ist schwer

Im Anfängerkurs ließ uns der Yogi wie Affen durch den Raum laufen und hängte uns kopfüber an die Wand, zusätzlich wurde gedehnt und geatmet. Und so ergab es sich, dass ich nach meiner Rückkehr ins heiße Delhi an einem frühen Morgen um halb 8 zum Sports Complex runter schlurfte, um eine erste Yogastunde auf dem Campus zu testen. Die Yoga-Halle der JNU ist ein sehr funktionaler Raum, der für den Kurs mit Teppichen ausgelegt wird. Yogamatten, Blöcke, Musik oder Sitzkissen gibt es nicht, man legt ein Tuch unter oder macht sein Yoga einfach auf dem Teppich. Der Yogalehrer sitzt auf einem Podest und leitet die Stunde auf einem Gemisch aus Hindi und Englisch an [die Audio-Transkription hier].

Am Anfang fand ich vieles schwierig - etwa die lange Kapalvarti Kria Atemsequenz am Anfang oder beim Sonnengruß zum Schluß wieder vorne an der Matte zu stehen. Andere Sachen fielen mir leicht und mein Körper erinnerte sich wohl an frühere Ballettstunden oder das Eiskunstlauftraining meiner Jugend - etwa bei Balanceübungen wie dem Baum oder dem Krieger 3. Wenn die Umstände es zu ließen ging ich also ab sofort etwa drei bis vier mal die Woche morgens zum Yoga - und das tat richtig gut. Gewisse Bewegungen wurden Routine und auch die Atmung gehorchte mir besser - beim Chanting bis ich bis heute nicht textsicher und summe eher nur mit, aber das Ohm klappt gut.

Yoga einfach mal ausprobieren

Für alle, die noch nie Yoga gemacht haben oder es immer schon mal ausprobieren wollen, aber auch für alle angehenden Yoginis gibt es am 23. Juni hier in Frankfurt auf dem Walther-von-Cronberg-Platz die Feierlichkeiten zum internationalen Yoga Tag. Wer früh genug kommt, kriegt dort auch ein T-Shirt und eine Yogamatte geschenkt. Außerdem gibt es leckeres Essen und verschiedene Sessions um Yogavarianten auszuprobieren. Weitere Infos hier.
Auch in anderen deutschen Städten und weltweit wird dieser Tag gefeiert, der seit 2014 von der UN auf den Tag der Sommersonnenwende, den 21. Juni, gesetzt wurde. Die Feierlichkeiten dienen der Förderung der Weltgesundheit und der Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens aller (vgl. Wikipedia). In diesem Sinne: Ohm Shanti Ohm, namaste!

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Ganesha und New Generations Filmfestival #12restaurants2017 #10

Im zweiten Anlauf konnten Emi und ich beim zehnten #12restaurants2017 einen ganz besonderen Ehrengast begrüßen. Petra Klaus, kreativer Kopf hinter dem indischen Filmfest in Frankfurt, Mitgründerin der taz, legendäre Partyveranstalterin und begeisterte Kuba-Reisende.

Doch bevor wir im Ganesha in der Niddastraße hinterm Bahnhof schlemmen konnten, legte uns der "Remover of Obstacles" erstens ein paar Regentropfen und zweitens die blöde Wegführung für Fußgänger und Fahrradfahrer rund um den Frankfurter Hauptbahnhof in den Weg - aber im Rahmen des akademischen Viertels waren dann doch alle beisammen.

Ganesha - Remover of Obstacles

Von außen würden die meisten wohl eher nicht ins Ganesha gehen - die Gegend und die Aufmachung sind eher etwas schrammelig, aber einmal drin ist es mollig warm und voll mit Indern und Sri Lankesen - ein gutes Zeichen. Auch die Bewertung im Netz ist durchweg positiv. Die Karte gibt eine gute Auswahl an authentischen Nord- und Südindischen Speisen und als kleines Extra auch noch Spezialitäten aus Sri Lanka!
Petra und ich wählten jeweils einen Dosa - einen Pfannkuchen aus Linsen- und Reismehl, sehr dünn gebacken, lecker gefühlt und serviert mit scharfem Kokosdipp und Gemüsesüppchen. Emi entschied sich für Aloo Ghobi - also Kartoffel Blumenkohl mit Chapati - auch in der scharfen Variante. Zuletzt hatte ich ja bemängelt, dass in den meisten Restaurants scharf nicht wirklich scharf ist. Bei Ganesha muss man sich da aber keine Sorgen machen - scharf heißt hier, dass einem warm wird und in meinem Fall sogar Schluckauf einsetzt. Sauber!

New Generations Filmfestival

Bevor das Essen jedoch serviert wurde, hatten wir Zeit über das New Generations Filmfestival, das nächstes Wochenende vom 3.-5. November im Orfeos Erben-Kino gezeigt wird, zu sprechen. Petra hatte das Programmheft dabei und es entsponn sich eine lebhafte Diskussion rund um die indische Kinokultur, die Existenz von Filmen die jenseits von Bollywood ganz ohne Tanz fesselnde Geschichten erzählen und die indische Community in Frankfurt - gesprenkelt mit Erinnerungen an Indienreisen und Planungen für meine nächste Woche in Delhi!

Besonders empfehlenswert ist natürlich der Short Film Wallah, bei dem ich dieses Jahr mit in der Jury sitzen durfte. Am 4. November ab 18:30 werden die besten Filme gezeigt und der Siegerfilm gekürt! Das Programm ist aber auch insgesamt sehr vielseitig und absolut sehenswert: mit Newton (Trailer), dem indischen Beitrag für Oscars, dem Politthriller An Insignificant Man (Trailer), der RomCom The Big Sick (Trailer) und vielem mehr!
Short Film Wallah: Sanyog - ein Episodenfilm in einem Shot

Short Film Wallah: Tears of Autumn - Kashmirkonflikt aus einer besonderen Perspektive

Essen ist fertig!

Wir mussten nicht lange auf das Essen warten, welches sehr stilecht auf Edelmetall.Thalitabletts serviert wurde - für einen Dosa nicht ganz das richtige Format, aber egal. Hauptsache lecker. Petra und ich waren sehr zufrieden mit der feinen Speise - Emi war eher enttäuscht von ihrem Aloo Ghoobi - merke: beim Sri Lankesen eher nicht nordindisch bestellen.

Fazit

Das Essen bei Ganesha ist absolut authentisch, die Küche ist frisch und lecker - das merkt man auch an den Besuchern - sehr viele Südasiaten genießen dort die Originalrezepte und Zubereitung. Weiteres Plus: die Preise sind sehr günstig - der Dosa und eine große Mangolassi zusammen waren dann ganze 9€ - läuft! Der Gastraum ist allerdings etwas eng und wenig attraktiv gestaltet - ein Fernseher zeigt aber fortlaufend aktuelle Bollywood-Clips und im Sommer kann man auch draußen sitzen. Also, wenn ihr mal Lust auf scharf und gut habt und euch in die Straßen hinterm Bahnhof traut, geht zu Ganesha und lasst es euch schmecken! Gezahlt wird dann an der Theke!

vlnr The Holy Trinity Ganesha, Maria und Bollywood!

Mehr

Wir waren bisher bei AlBismil am Sandweg, Moti Mahal an der Dreieichstraße, bei eatDoori am Oeder Weg, beim Bombay Palace an der Darmstädter Landstraße, beim Saravanaa Bhavan in der Kaiserstraße, im White Elefant im fernen Offenbach, in Niederrad im Tandoori Taste, in der einzigartigen Eintracht Gaststätte und zuletzt im HimalayaLaternchen im Ostend. 

Du kennst noch ein indisches Restaurant in Frankfurt, dass Emi und ich unbedingt testen sollten? Unsere Liste wächst und wächst und wir mache auch im nächsten Jahr mit #12Restaurants2018 weiter - schreib uns Deinen Hinweis gerne in die Kommentare - vielen Dank!

Donnerstag, 16. März 2017

Interview: Fußball im Punjab - Freiwilligendienst in Rurka Kalan

Marc und die Coaches Jitender und Gurpreet (vlnr)
Mark Schulz (24), studierte Sportwissenschaft im Bachelor und ist seit kurzer Zeit in Indien und engagiert sich dort im Freiwilligendienst als Fußballtrainer. Eine spannende Aktion für die es noch Unterstützer braucht. Ich hatte die Chance Mark ein paar Fragen zu seinem Projekt zu stellen.

Du hast in Köln Sport studiert und bist jetzt im Punjab in Indien in einem kleinen Dorf. Wie kam es dazu?

MS Ich habe 2012 mein Studium, direkt nach dem Abi begonnen. Ehrlich gesagt war ich nach der Schulzeit nicht so scharf darauf die Welt oder Australien zu entdecken, wie die meisten meiner Mitschüler. Bei mir kam die Neugier erst zwei Jahre später, als ich zu einem Auslandssemester nach Neuseeland aufbrach.

Dass ich jetzt in Indien bin, ist auch zum Teil dem Beruf meiner Mutter geschuldet - als Flugbegleiterin konnte ich sie schon das ein oder andere Mal in ferne Länder begleiten. Im Januar 2016 flogen wir für zwei Tage nach Bangalore. Diese beiden Tage reichten wohl, um sich in Land und Leute zu verlieben.

Damals machte ich schon Pläne nach meinem Studium für längere Zeit nach Indien zu reisen. Mit Hilfe des  Vereins für Deutsch-Indische-Zusammenarbeit, der Freiwilligendienste im Rahmen des "weltwärts"-Programms organisiert, fand ich das Projekt in Rurka Kalan.


Was machst Du vor Ort? Wie gestaltet sich Dein Alltag in Rurka Kalan?

MS Ich engagiere mich im  Youth Football Club, der Kindern und Jugendlichen aus der Region ein kostenloses Fußballprogramm anbietet. Dabei werden Perspektiven geschaffen und die Kinder und Jugendlichen werden vor Drogen, Gewalt und Missbrauch geschützt. Wir alle leben zusammen in der Akademie direkt neben dem Fußballplatz auf dem täglich trainiert wird.

Momentan arbeite ich zusammen mit dem Head-Coach vor Ort eine Philosophie für den Verein aus. Diese soll vor allem den teilweise gering qualifizierten indischen Trainern helfen, noch bessere Trainingseinheiten mit den Kindern durchzuführen. Meistens frühstücken alle gemeinsam um 8 Uhr, dann geht es für die Jugendlichen in die Schule und wir beginnen mit der Arbeit. Um 14 Uhr gibt es dann Mittagessen und um 16:30 Uhr wird trainiert. Das Training findet täglich, außer Sonntags statt.

Regelmäßig poste ich hier Berichte über meinen Aufenthalt, dort darf auch gerne noch gespendet werden :) Bilder und Eindrücke aus Indien und vom Fußballplatz finden sich hier.
Training in Rurka Kalan
Was sind Deine Ziele für die Zeit vor Ort? Was willst Du im Anschluss machen?

MS Ich kam mit einer geringer Erwartungshaltung nach Indien, weil Fussball hinter Cricket und Hockey nicht unbedingt die größte Sportart ist - doch bin ich vom Niveau in der Akademie begeistert. Das tolle an Sport ist, das man auf der ganzen Welt rum kommt und ich hier vor Ort wirklich auch, vor allem durch mein Studium, helfen kann.

Um meine Arbeit nachhaltig zu gestalten, macht es keinen Sinn, dass ich in dem halbem Jahr, in dem ich vor Ort bin, jede Trainingseinheiten leite. Viel mehr geht es darum, den indischen Trainern zu helfen und diese zu fördern. Sonst bin ich in einem halben Jahr weg und alles ist wieder beim alten. Für mich persönlich hoffe ich, dass ich viele tolle Erfahrungen mit Land und Leuten erlebe, etwas tiefer in die Kultur eintauchen und auch etwas vom Land sehen kann. Nach dem Freiwilligendienst würde ich gerne noch weiterstudieren, aber bis dahin gibt es hier noch einiges zu tun!

Vielen Dank für das Gespräch - wenn ihr Mark unterstützen wollt, dann klickt hier!

Montag, 16. Januar 2017

Eine Liebe in Indien

Für alle die Interesse an einer lebendigen, etwas kitschigen Geschichte der Unabhängigkeit Indiens und der damit verbundenen Teilung (Pakistan) haben, empfehle ich den Roman "Eine Liebe in Indien" von Catherine Clément. Sie erweckt die Hauptakteure mit all ihren Schwächen und romantischen Belangen zum Leben mit Teils immerhin versucht amüsanten Dialogen, etwa zur An- und Aussprache Nehrus - an der Universtiät dessen Namens ich zufälligerweise studiert habe.

"'Meine Liebe', sagte Lord Mountbatten, als er plötzlich die Tür öffnete. 'Sie müssen sich daran gewöhnen, daß Nehru ein echter Pandit ist. [...] Er ist ein Gelehrter, ein Gebildeter! Sie dürfen ihn nicht bei seinem Eigennamen nennen. Nehruji! Das ist unterhört. Panditji, wenn sie wollen, aber Nehruji!'
[...]

'Dickie, es ist so warm ... Ich habe Migräne.', jammerte Edwina. 'Sie haben immer Migräne, meine Liebe. Und Sie werden Nehru mit seinem Titel anreden!' schimpfte Lord Louis. 'Aber ich weiß doch, was ein Pandit ist, Dickie ... Und sein Vorname, wie ist der doch gleich?' 'Jawarlal. Warten Sie! Nein ... Jawahalal. Ich bringe es durcheinander.' 'Wie sagen Sie?' 'Lassen Sie mich nachsehen...', antwortete er und nahm einen Zettel aus seiner Tasche. Har lal, mit einem >r< und einem >l<. Ja-wa-harlal. Ich rate Ihnen nicht zu dem Vornamen, Sie werden es nicht herausbringen.'
'Ach, dann nenne ich ihn eben Jawahar, und damit basta', sagte Edwina und stand auf."1


"Im Büro machte Lord Louis das Licht an, öffnete die Tür seines Safes und nahm eine Akte heraus, die er Nehru hinhielt, ohne etwas zu sagen. [...]
'Sagen wir, daß ich meine Meinung geändert habe. Ich empfinde viel Zuneigung für Sie, Jawarla. Vielleicht sollte ich Ihnen diese Akte nicht zeigen, aber ich übernehme die Verantwortung.'
Nehru sah ihn freundlich an und nahm das Schriftstück. Ein starkes Glücksgefühl überkam ihn; er war der erste, der die Landkarte des freien Indiens sehen durfte. [...]
'Ich habe volles Vertrauen zu Ihnen', murmelte Nehru. 'Wenn Sie erlauben, gehe ich nun und sehe es mir an.' [...] Und auf einmal umarmte er den Vizekönig. 'Nur noch eins, Sir, wenn Sie erlauben.', sagte er beim Hinausgehen.
'Mein Vorname ist Jawaharlal, Nicht Jawarla.'2


1 Clément, Catherine: 'Eine Liebe in Indien', München 1999, S. 62f.
2 Ebd., S.181f

Donnerstag, 10. November 2016

Fernweh: Die Farben Indiens

Für 2017 stehen meine Reisepläne zwar noch nicht en Detail fest, aber da ich derzeit Kriterien wie nicht-zu-weit, nicht-zu-laut und nicht-zu-heiß-nicht-zu-kalt auf mögliche Destinationen anwende, scheidet Indien fürs erste aus. Das ist natürlich sehr schade, aber ein Cluburlaub in Indien ist keine Option und eine Rucksackreise mit einer 3-jährigen klingt nicht nach dem Grad an Erholung für den ich meine Urlaube derzeit brauche.

Um mein Fernweh nach dem bunten, lebendigen, unberechenbaren, lauten Indien aber nicht zu schwer werden zu lassen, werde ich zum einen fleißig weiter indische Filme schauen - und zum anderen habe ich für 2017 einen Kalender, der mir die fulminanten Farben und Impressionen Indiens an die Wand im Büro bringt.
Das Deckblatt "Die Farben Indiens 2017" zeigt das Hawar Mahal in Jaipur.

Im März: Waschfrauen am Yamuna, im Hintergrund das Taj Mahal.
Im November: Der Goldene Tempel in Amritsar.
September: Der Geburtstagsmonat.
Natürlich zeigt der Kalender nur wohl gewählte Ausschnitte sowie die klassischen touristenfreundlichen Sehnsuchtsmotive - ich weiß auch, dass das nicht alles ist und dass Indien viel mehr als ein gutes Fotomotiv ist. Aber bis ich wieder einen Rucksack packe, reicht das erst mal. Für die Gerüche Indiens kann ich übrigens ausgewählte Teile des Frankfurter Bahnhofsviertels empfehlen ...

Und damit es mit der entspannten Urlaubsplanung auch was gibt, habe ich außerdem noch einen Familienkalender für die Küche. Sehr praktisch um mehrere Personen und deren Termine in der Übersicht zu haben und idealerweise weder Geburtstage, Schliesstage in der Kita, Jubiläen oder ähnliches zu vergessen. 

Und wer weiß, vielleicht ruft mich das Abenteuer und ich schreibe ich doch mal Delhi oder Kolkatta rein statt dem schönen Westerwald, der wunderschönen Rhön und meinem lang geliebten Bodensee? 

Und wohin geht Deine nächste Reise?


Mittwoch, 17. August 2016

Making It

In Frankfurt gibt es viele öffentliche Bücherschränke, seit einer Weile auch zwei hier in Sachsenhausen. Ich bin der größte Fan dieses Konzepts und hole mir dort regelmäßig meine Dosis gedruckter Geschichten, die ich anschließend dort auch wieder los werde.

Manchmal sind Klassiker dabei wie neulich 1Q84 von Haruki Murakmi, aber manchmal eben auch besonders hochwertige Exemplare der Belletristik: "Making It" aus dem Jahr 1988 fiel mir kürzlich in die Hände. Für den zeitgenössischen Medienwissenschaftler ist die Darstellung von Telefonaten und den vielfältigen Versuchen Personen zu erreichen übrigens durchaus amüsant - oder wann haben Sie zum letzten Mal in einem Restaurant angerufen, in der Hoffnung dort jemanden zu erreichen?

Glory of the 80's: Coveransicht "Making It", Ruth Carr

Plot: Reiche Frau wird arm, muss arbeiten und verliebt sich neu. Das Buch spielt in London und auf dem englischen Land und kommt natürlich nicht ohne den Quoteninder aus - seine genaue Beschreibung folgt hier:

Anil Patel had come to this country twenty years ago as an extremly poor, gangly teenager from Gujarat in India. He was now an extremly rich, portly, middleaged man who had all but forgotten the days when his English was so poor he would tell people he had been to have his legs photocopied when he'd been for a chest X-ray.
Anil realised very early on that while his English teachers might teach him not to dangle his participles and could correct his written English so that it read: "I go for a walk in the park" rather than "I go for a wank in the park", they could not teach him how to make a living. He duly let the English language take care of itself and went on to opening garages, newsagents', fast food outlets and buying and selling property - some of which he was now showing me round.
I had never seen a flat so small. It wasn't really a flat - it was a room with a bed and a kitchen sink. The smell of barbecued chicken was strong - it would be like living over a chip shop - but I suppposed I could always keep the window open. [...] Across the landing was an evil-smelling loo and a bath [...] "You share with the peoples," Anil informed me. The rent was extortionate. [...] "You give me week's rent in advance," said Anil, who had not made his money through being slow. "I have man from Bangladesh who want this flat but I like you." [...] "I'll take it."
Aus Carr, Ruth: "Making It", London 1996, S.255f.

Diese kurze Beschreibung einer Person zeigt viele stereotypen Eigenschaften von Indern in England: die unvollständige Aneignung der englischen Sprache, der Geschäftsinn aus noch dem kleinsten einen Profit zu schlagen und generell sehr geschäftstüchtig zu sein und natürlich auch in Verhandlungen gute Argumente zu haben.

Heute leben etwa 1,5 Millionen Inder (gebürtig aus Indien oder in Großbritannien geborene Inder) im Vereinigten Königreich, das sind 2,3% der Gesamtbevölkerung, die Mehrheit davon lebt in London. Siehe dazu auch Wikipedia.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Indisches Filmfest Stuttgart

Von manchen Dingen träumt man ja ein Leben lang, etwa Sharukh Khan zu treffen oder mal bei einem Filmfestival nicht nur über den roten Teppich zu laufen, sondern auch in der Jury zu sitzen. Dieser Traum wird jetzt für mich wahr: in 2 Wochen werde ich in Stuttgart beim Indischen Film Fest zusammen mit Huan Vu und Insa Wiese aus 16 nomierten Kurzfilmen einen Gewinnerfilm wählen.

Auf dem Festival werden übrigens nicht nur viele tolle Filme als Deutschland oder sogar Europapremiere gezeigt, sondern es gibt auch ein cooles Rahmenprogramm mit Tanz, Tabla, Ausstellungen und vielem mehr. Ich freue mich schon sehr auf Stuttgart (seit kurzem auch eine von 7 Städten in Deutschland mit einem #DMW-Quartier!!) und natürlich auf die Filme! 
Folgt dem Hashtag #IFFStuttgart oder kommt direkt dort zum Festival für mehr - und funkt mich an!

Dienstag, 12. April 2016

Maria Qamar

Die Verbindung westlicher Popkultur mit traditionellen indischen Werten und Darstellungsweisen ist häufig ein Schauplatz der Komik und des (ungewollten) Humors. Häufig endet die westliche (Pop)Kultur auch einfach im Tragen von Marken und Labels, die Personen dann "westlich, fortschrittlich" erscheinen lassen. Mein Versuch mit Henna Mehendis mit Rockabillysymbolen etc. zu malen, hat sich ja leider (noch) nicht durchgesetzt.

Maria Qamar ist die Vermischung der Siebdruckästhetik à la Roy Lichtenstein mit den Erwartungen der indisch-geprägten Gesellschaft an Frauen besonders gut gelungen. Auch bekannt als @Hatecopy zeichnet die Pakistani-Kanadierin wunderbare Eindrücke aus ihrem Leben ins Netz:


Einen umfassenden Artikel mit noch mehr Bildern findet sich in Broadly und bei Dazed.

Danke an Petra vom New Generations Independent Indian Film Festival, die mich auf Maria Qamar aufmerksam gemacht hat.

Mittwoch, 2. März 2016

Interview: Katharina Finke „Mit dem Herzen einer Tigerin“


Katharina Finke
Foto: David Weyand
Katharina Finke, Jahrgang 1985 ist Journalistin, lebt als Global Correspondent aus zwei Koffern und berichtet für verschiedene deutsche Medien, etwa aus Indien für die taz, aus den USA für Spon oder über Besitz im BR. Am 15. März UPDATE: Am 26. April ist Katharina nochmal in Frankfurt und stellt ihr Buch „Mit dem Herzen einer Tigerin“ vor, in dem sie das Schicksal von Amila erzählt, das stellvertretend für die Situation in Indien stehen soll. Ich freue mich schon auf die Lesung und hatte vorab die Chance, Katharina ein paar Fragen zu stellen.

Du bist „Global Correspondent“ – wie kommt man zu so einem Beruf und wie entscheidest Du, von wo und worüber Du als nächstes berichtest? 
KF Man kommt nicht dazu, sondern man – in meinem Fall Frau – muss es wollen: immer wieder an unterschiedlichen Orten der Welt zu leben und von dort zu berichten. Die Entscheidung darüber, von wo und worüber ich berichte, liegt in der Regel bei mir. Denn ich schlage den Print-, Online oder TV-Redaktionen meistens die Themen vor. Die Auswahl der Orte hat unterschiedliche Gründe: in China war ich mit einem Stipendium, in Neuseeland kurz vorm Kino-Start des letzten Hobbit-Films und in Indien für die Buch-Recherche. Ich halte meinen Auftraggeber auf dem Laufende, über meinte Standorte, wodurch auch öfters Themen entstehen. Meine Schwerpunkte dabei sind: Reise, Nachhaltigkeit, Gesellschaft mit Fokus auf sozialen Projekten und Menschenrechtsthemen.

Wie kam es zu dem Kontakt mit Amila, der Hauptfigur aus Deinem Buch "Mit dem Herzen einer Tigerin"? Wie habt ihr konkret zusammen gearbeitet? 
KF 2011 bin ich das allererste Mal nach Indien gereist und war schockiert über die Diskriminierung von Frauen. Deswegen wollte ich unbedingt darüber schreiben. Nachdem ich einen Verlag dafür gefunden hatte, machte ich mich 2014 auf die Suche nach einer Protagonistin und reiste erneut nach Indien. Ich sprach einen Monat lang mit so vielen Frauen wie möglich. Am Anfang fiel es mir sehr schwer eine auszuwählen, weil alle eine Stimme verdient haben. Eine von ihnen war Amila. Was mich an ihr besonders beeindruckt hat, war dass sie trotz ihres eigenen schweren Schicksals es für wichtiger erachtet sich für andere einzusetzen und möchte, dass es den Frauen in Zukunft besser geht. Die Treffen mit ihr wurden durch eine kleine NGO ermöglicht, die sich in verschiedenen indischen Bundesstaaten für Frauenrechte einsetzt. Ich besuchte Amila zuhause und arrangierte mehrere Gesprächstermine mit ihr. Anwesend war, außer uns beiden, eine Dolmetscherin, um Amilas Aussagen von Hindi auf Englisch für mich zu übersetzen. Nicht nur weil Amila Analphabetin ist, wird sie den Text nie lesen, sondern auch weil sie das Buch nicht besitzen darf. Denn ihr Mann darf niemals davon erfahren. Aber ich werde ihr das Buch mit nach Indien nehmen, die Dolmetscherin wird einige Passagen übersetzen und ihr vorlesen. Mit einer englischen Version des Buches wäre das natürlich noch viel einfacher, weswegen unsere Hoffnungen darin sehr groß sind.

Cover: Mit dem Herzen einer Tigerin
Foto: David Weyand
Wie geht es für Amila jetzt weiter? Und was sind Deine nächsten Projekte?
KF Amila wird nach wie vor von ihrem Mann vergewaltigt, aber auch weiterhin von der Organisation betreut. Was nur möglich ist, weil diese ihre eigentliche Motivation nicht preisgibt. Weglaufen ist für Amila keine Option, da sie damit ihre fünf Kinder im Stich lassen würde und mit ihnen wegzulaufen ist quasi unmöglich. Deswegen kämpft Amila dafür, dass vor allem ihre zwei Töchter nicht das gleiche erleiden müssen wie sie.
Um sie dabei zu unterstützen und natürlich auch Amila selbst zu helfen, werden der Fotograf des Buches und ich im Herbst erneut nach Indien reisen. Dafür nehmen wir Spenden entgegen. Außerdem hat der Verlag Geld für Amila zur Verfügung gestellt. Leider kann ich ihr das nicht direkt geben, weil sie es nicht lange behalten könnte. Die derzeitige Überlegung ist daher das Nähzentrum, das von der Organisation vor Ort gegründet wurde weiter auszubauen. Denn es ist ein wichtiger Ort für die Frauen. Wahrscheinlich der einzige, wo sie für sich sein können. Zudem bin ich in Gesprächen mit Initiativen und Organisationen, in Deutschland und in Indien, um Amila zu helfen.
Darüberhinaus versuche ich durch Lesungen in Deutschland mehr Aufmerksamkeit auf die Thematik zu lenken. Denn sie wird uns noch eine Weile begleiten, so wie ich Amila. Ansonsten schreibe ich gerade an meinem nächsten Buch und plane weitere Reisen.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg und Kraft für Dich und Amila!
Mehr über Katharina gibt es hier. Lesungen des Buches "Mit dem Herzen einer Tigerin" sind am 7.3. in Ludwigsburg, 8.3. in Fürth, 10.3. in Heidelberg, 15.3. in Frankfurt, 21.4. in Dinklage und am 19.5. in Hamburg. Spenden sind willkommen.



Dienstag, 22. Dezember 2015

Know the difference - Tourist vs Traveller


Goa vs Gokarna

Die Grafik stammt aus einer Kampagne von Holidify, gute Idee, finde ich. Ob die App wirklich hält was sie verspricht, kann ich leider nicht beurteilen. Aber mir haben sowohl Goa als auch Gokarna gut gefallen.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Rückblick Frankfurter Buchmesse #fbm15

Vergangene Woche war ich mit den Digital Media Women als Aussteller auf der Frankfurter Buchmesse. An unseren kleinen Stand in Halle 4.1 haben wir Frauen mit spannenden Geschichten eingeladen und die Interviews live ins Netz gestreamt - ich habe Maren Lunkenheimer interviewt, das sah so aus.

Foto: Brigitte Glatzel
Das diesjährige Gastland der Buchmesse war übrigens Indonesien, da war ich auch mal, auf Bali 2002 - und zwar in Kuta, genau dort, wo sechs Wochen später die Anschläge waren. Indien war bereits Gastland auf der Buchmesse: 2006. Dieses Jahr konnte man Verlage aus Delhi und Co. in Halle 4.0, direkt unter den DMW im Asienbereich finden. Spannende Themen: neben den zu erwartenden Yogaguides, Gandhi und Tagore-Biographien, Kochbüchern sah ich auch viele spannende Romane, Kinderbücher und Sachbücher.


Interesting facts
  • Indien ist der drittgrößte Produzent englischsprachiger Literatur - nach den USA und Großbritannien.
  • Jedes Jahr werden in Indien über 90.000 Bücher veröffentlicht.
  • 40 Prozent der veröffentlichten Bücher sind auf Englisch - die anderen 60 Prozent verteilen sich auf die anderen indischen Sprachen wie Hindi, Malayalam, Telugu, und viele mehr.
2010 war ich in Delhi auf der Buchmesse - dort war es ruhiger als hier Frankfurt und auch nicht so groß - es gab trotzdem eine spannende Auswahl an Büchern.


Mein Highlight der diesjährigen Buchmesse hier in Frankfurt war aber die Verleihung des Virenschleuderpreis am Freitagabend. Dort waren die DMW als "Bestes Team" nominiert - mein Plan war von dort zu twittern, ein paar Häppchen abzugreifen und später mit den Mädels noch ein bisschen zu feiern. Tja, und dann haben wir dann Preis gewonnen - entsprechend ist die Feierei etwas mehr geworden und die Freude ist nach wie vor riesig!
Foto: Paul Dylla


Bis nächsten Sonntag (31.10.) kann man übrigens noch einen Stand auf der Buchmesse in Delhi Anfang Januar 2016 buchen. 

Donnerstag, 10. September 2015

The married Kama Sutra

Irgendwo im Internet entdeckt und mich an diesen Post erinnert

काम [kahm] heißt "Arbeit", aber auch "Sex".
When the man and the woman have eaten Indian food, and are too swollen with rice to make conversation, let alone love, it is called “the beaching of the whales.” 
Hier klicken!

Sonntag, 16. August 2015

Palast der Winde

Nachdem ich hier schon einmal einen Auszug aus "Vollmond über Kaschmir" von M.M. Kaye zitiert habe, bin ich kürzlich am Bücherschrank wieder über ein Buch von ihr gestolpert: "Palast der Winde" (Originaltitel "The Far Pavilions") ist ein epischer Roman von über 1000 Seiten.

Gateway of India, Bombay/Mumbai


Der Auszug hier handelt von der Rückkehr des Protagonisten Ash nach Bombay, nachdem dieser seine Schuljahre in England hatte verbringen müssen.

"Auf dem glühend heißen Pier drängten sich Kulis und Hafenbeamte, Anreißer sämtlicher Hotels, Freunde und Verwandte der Ankommenden, und der Lärm war entsprechend. Die Schlepper bugsierten das Schiff an den Pier, und Zarin musterte scharf die Gesichter der Reisenden, die an der Reeling standen; [...]

'Das da ist Pelham-Sahin', sagte er zu Gul Baz und deutete auf Ash. Er wollte seinem Freund winken, unterließ es aber, denn eben jetzt stellte sich eine Frau neben Ashok, eine junge Frau, die seinen Arm ergriff und sich an ihne drängte, als habe sie ein Recht auf ihn.  [...] Zarin runzelte bei diesem Anblick die Stirne. Eine Memsahib ... eine junge Memsahib ... das war eine Komplikation, die er in seine Rechnung nicht miteinbezogen hatte.

Es waren die Memsahibs, die von Anfang an im Herrschaftsgebiet des Raj zwischen den weißen und den farbigen Männern Mißtrauen gesät und Grenzen gezogen hatten. Ganz zu Anfang, als die bengalische Armee von der Ostindischen Handelskompanie aufgestellt wurde, gab es im Lande nur sehr wenig Memsahibs, denn das Klima galt als ungesund, und Dauer und Unbequemlichkeit der Reise mit dem Segelschiff waren Frauen eigentlich kaum zuzumuten."
Kaye, Mary Margaret: "Palast der Winde ", Augsburg 2004, S.162f.

Sonntag, 12. Juli 2015

Naan (नान)

Naan_9gag

"Im Gegensatz zu anderen indischen Brotsorten stellt man Naan aus gesäuertem Teig her, etwa durch Hinzufügen von Joghurt, Hefe, Backpulver. Ursprünglich waren die Grundzutaten Hirse und Hefe, heute backt man oft mit Weizenmehl. Naan-Fladen werden über offener Glut gebacken. Von dieser natürlichen Backweise, die besonders viel Sorgfalt erfordert, stammt auch der typische Geschmack."
aus Wikipedia

Freitag, 10. Juli 2015

Der indische Fächer

"'Wir schicken Gold- und Silberbarren, Wollzeug, Eisenwaren und dergleichen nach Indien und bringen von dort Seide, Diamanten, Tee, Porzellan, Pfeffer, ungebleichte Baumwollstoffe, Arzneimittel und so weiter mit. Aber wir haben uns mit dem bloßen Warentausch nicht zufriedengegeben. Wir wollten auch politisch tätig werden und haben die indischen Fürsten in ihren gegenseitigen Querelen unterstützt. Wir gewannen Macht und Einfluß, so daß man sagen könnte, daß die Ostindische Kompanie der wahre Herrscher von Indien ist.'
Pfauen in Jaipur
'Nehmen die Inder das nicht übel?'
'Ein Teil schon. Der andere sieht die Vorteile, die das Land dank uns hat. Die Franzosen hatten auch eine Ostindische Kompanie, was zu Streitigkeiten zwischen unseren beiden Ländern geführt hat.'
'Mir scheint, dieses Machtstreben verursacht viel Ärger.'"

Holt, Victoria: "Der indische Fächer", München 1990, S.124f.

Mittwoch, 1. Juli 2015

Souvenirs from India VI

Schon am ersten Tag in Indien wurde mir in Priya eine solche Landkarte von einem Straßenhändler angeboten. Da sollte sie 500 Rupies kosten - viel zu teuer! Mit ein bisschen Geduld und Kenntnis der regionalen Preise habe ich diese Karte später für nur 100 Rupies erstanden. In Indien hing diese Karte übrigens an der Wand - und Anna hatte auch eine - schaut mal hier.
Jetzt in Frankfurt diente die Karte lange als Vorhangersatz im Kinderzimmer, dort gibt es jetzt ein Rollo und die Karte hängt im Schlafzimmer vor dem Fenster. Ich schaue immer noch oft auf diese Karte und ich entdecke auch fast jedesmal was neues - und dann kratzt das Fernweh an der Tür. Aber erstmal bleibe ich hier - zumal das Wetter momentan hier mindestens so heiß ist wie in Delhi.

Freitag, 1. Mai 2015

Das große Reader's Digest Jugendbuch #17

Neulich habe ich endlich mal wieder gebloggt - diesmal als Gastbloggerin für Portugal. Aus diesem Anlass werde ich auch gleich hier noch ein paar spannende Fundstücke einstellen. Das erste kommt aus dem Bücherschrank in Frankfurt-Sachsenhausen und stammt aus dem Jahr 1976. Ich erinnere mich, dass ich in meiner Jugend so etwas auch besaß: ein Reader's Digest Jugendbuch. Bunt, groß, dick und voller Kuriositäten, wie dieser, der ich mich beim bloggen noch nie richtig gewidmet habe, weil ich sie überbewertet finde. Als historische Quelle finde ich die Darstellung aber absolut akzeptabel, man beachte die Schreibweise der Eigennamen.

Tadsch Mahal, Denkmal einer Liebe

"Er steht bei der alten indischen Kaiserstadt am rechten Ufer der Dschamma, 67 Meter hoch, wie aus Mondlicht geschnitten. Erbaut hat ihn vor drei Jahrhunderten der Großmogul Schahdschahan, ein Förderer der Künste und der Architektur, dem die Welt einige der schönsten Bauwerke verdankt.Er hatte drei Frauen. Keine aber hat er so geliebt wie die schöne Mumtas Mahal. Für sie hat er das aus schneeweißem Marmor gestaltete Grabmal geschaffen. [...]
Um seinen Thron zu sichern, ließ der neue Großmogul seine sämtlichen männlichen Verwandten hinrichten oder verbannen. In seiner 31jährigen Regierungszeit hat er sich um Frieden und eine geordnete Verwaltung bemüht, die Künste gefördert, prächtige Bauwerke errichtet und einen Luxus getrieben, der den an seinen Hof beorderten europäischen Diplomaten den Atem nahm. [...]
Im Juni 1631 brach plötzlich das Unheil herein. Mumtas Mahal, die erwählte des Palastes , starb bei der Geburt eines ihrer Kinder. Der Großmogul war niedergeschmettert. [...]
Der Bau des Tadsch Mahal begann 1632 und dauerte 22 Jahre. Er beschäftigte 20 000 Menschen. Man holte Bildhauer, Steinschleifer und Meister der Intarsienkunst und der Freskenmalerei aus ganz Indien und anderen Ländern herbei [...] Der herrliche weiße Marmor kam aus Makran und Radschasthan. Granate holte man gleichfalls aus diesem indischen Land, Lapislazuli aus Ceylon, Türkise aus Tibet. [...]
Geht man die Mittelallee hinunter, so kommt man an den berühmten spiegelnden Teich, in dem das Bild der weißen Kuppel in einem anscheinend ewigen Blau schimmert. Die Bepflanzung, von dem goldenen Flamboyant- und dem grauen Feigenbaum bis zu den leuchtenden Blumenbeeten und der Doppelreihe blaugrüner Zypressen, ist so angelegt, daß sie den Blick auf den Tadsch Mahal lenkt. [...]
Der Sarkophag der Mumtas Mahal liegt genau in der Mitte unter einer hochgewölbten Kuppel. Er trägt in feiner Einlegearbeit aus Achat, Jade und anderen Schmucksteinen geschnittene Arabesken und Blumenornamente [...] Die Gebeine des kaiserlichen Paares ruhen nach altem Brauch in einer Krypta unmittelbar darunter. [...]
Schahdschahan hat seine geliebte Mumtas um 35 Jahre überlebt. In seiner letzten Lebenszeit hatte er ein schweres Schicksal. Seine Söhne, die Kinder der Mumtas, kämpften miteinander um den Thron. Sieger blieb der verschlagene Aurangseb. Er hielt seinen Vater auf der Festung Agra gefangen.  [...] er verbrachte seine Tage mit frommen Übungen und Meditationen bis zu seinem Tod im Januar 1666.

Frazer, John E: "Tadsch Mahal, Denkmal einer Liebe" in "Das große Reader's Digest Jugendbuch" , Stuttgart 1976, S.118-121.

Montag, 29. September 2014

The Razor's Edge

"Well, we got to Bombay. The ship was stopping there for three days to give the tourists a chance to see the sights and make excursions. On the third day I got the afternoon off and went ashore. I walked about for a while, looking at the crowd: what a conglomeration! Chinese, Mohammedans, Hindus, Tamils as black as your hat; and those great humped bullocks with their long horns that draw the carts!

[...] I had supper in a native eating-house and then, as I didn't have to be on board till ten, I went and walked [...]. That wonderful day, with the brilliant sunshine, the coloured, noisy crowds, the smell of the East, acrid and aromatic, enchanted me [...]. My heart began to beat like mad because I'd suddenly become aware of an intense conviction that India hat something to give to me that I had to have. [...] I decided not to go back to the ship. [...]

I walked slowly back to the native quarter and looked about for a hotel. I found one after a while and took a room. I had the clothes I stood up in, some loose cash, my passport and my letter of credit; I felt so free, I laughed out loud."

Maugham, William Somerset: "The Razor's Edge ", New York 1960, S.289ff.

Dienstag, 3. Juni 2014

Delhi statt Bombay

Als Tourist sieht man Delhi ja zumeist maximal zwei Tage - am Tag der Anreise und Abreise - zwischendrin fährt man tagelang durch Rajasthan. Ist auch ok, Taj Mahal und so, das ist ja Indien. Ansonsten wird bei Großstadt und Indien eigentlich Bombay (Mumbai) genannt.

Dabei hat Delhi wirklich spannende Abenteuer zu bieten - Old Delhi, Humayums Tomb, der Bahá'í-Tempel oder Qutab Minar ... plus Shopping in jeder erdenklich Form: westliche Mall, Bazaar, fliegende Händler und ganz besonders Sarojini Nagar Market. Dort wird alles, was in den indischen Textilfabriken "vom LKW gefallen ist" für Minimalpreise verscheuert -  offiziell wir das so genannt "At the Sarojini Nagar Market you get fashionable clothes at affordable prices. Export-surplus garments as well as rejected export clothing come to this market at throwaway prices." - also Markenware von Desigual oder Ralph Lauren oder Benetton oder oder oder ...mittlerweile sogar mit der Metro zu erreichen!



Eine Übersicht Delhi vs. Bombay gibt es hier.