Donnerstag, 16. März 2017

Interview: Fußball im Punjab - Freiwilligendienst in Rurka Kalan

Marc und die Coaches Jitender und Gurpreet (vlnr)
Mark Schulz (24), studierte Sportwissenschaft im Bachelor und ist seit kurzer Zeit in Indien und engagiert sich dort im Freiwilligendienst als Fußballtrainer. Eine spannende Aktion für die es noch Unterstützer braucht. Ich hatte die Chance Mark ein paar Fragen zu seinem Projekt zu stellen.

Du hast in Köln Sport studiert und bist jetzt im Punjab in Indien in einem kleinen Dorf. Wie kam es dazu?

MS Ich habe 2012 mein Studium, direkt nach dem Abi begonnen. Ehrlich gesagt war ich nach der Schulzeit nicht so scharf darauf die Welt oder Australien zu entdecken, wie die meisten meiner Mitschüler. Bei mir kam die Neugier erst zwei Jahre später, als ich zu einem Auslandssemester nach Neuseeland aufbrach.

Dass ich jetzt in Indien bin, ist auch zum Teil dem Beruf meiner Mutter geschuldet - als Flugbegleiterin konnte ich sie schon das ein oder andere Mal in ferne Länder begleiten. Im Januar 2016 flogen wir für zwei Tage nach Bangalore. Diese beiden Tage reichten wohl, um sich in Land und Leute zu verlieben.

Damals machte ich schon Pläne nach meinem Studium für längere Zeit nach Indien zu reisen. Mit Hilfe des  Vereins für Deutsch-Indische-Zusammenarbeit, der Freiwilligendienste im Rahmen des "weltwärts"-Programms organisiert, fand ich das Projekt in Rurka Kalan.


Was machst Du vor Ort? Wie gestaltet sich Dein Alltag in Rurka Kalan?

MS Ich engagiere mich im  Youth Football Club, der Kindern und Jugendlichen aus der Region ein kostenloses Fußballprogramm anbietet. Dabei werden Perspektiven geschaffen und die Kinder und Jugendlichen werden vor Drogen, Gewalt und Missbrauch geschützt. Wir alle leben zusammen in der Akademie direkt neben dem Fußballplatz auf dem täglich trainiert wird.

Momentan arbeite ich zusammen mit dem Head-Coach vor Ort eine Philosophie für den Verein aus. Diese soll vor allem den teilweise gering qualifizierten indischen Trainern helfen, noch bessere Trainingseinheiten mit den Kindern durchzuführen. Meistens frühstücken alle gemeinsam um 8 Uhr, dann geht es für die Jugendlichen in die Schule und wir beginnen mit der Arbeit. Um 14 Uhr gibt es dann Mittagessen und um 16:30 Uhr wird trainiert. Das Training findet täglich, außer Sonntags statt.

Regelmäßig poste ich hier Berichte über meinen Aufenthalt, dort darf auch gerne noch gespendet werden :) Bilder und Eindrücke aus Indien und vom Fußballplatz finden sich hier.
Training in Rurka Kalan
Was sind Deine Ziele für die Zeit vor Ort? Was willst Du im Anschluss machen?

MS Ich kam mit einer geringer Erwartungshaltung nach Indien, weil Fussball hinter Cricket und Hockey nicht unbedingt die größte Sportart ist - doch bin ich vom Niveau in der Akademie begeistert. Das tolle an Sport ist, das man auf der ganzen Welt rum kommt und ich hier vor Ort wirklich auch, vor allem durch mein Studium, helfen kann.

Um meine Arbeit nachhaltig zu gestalten, macht es keinen Sinn, dass ich in dem halbem Jahr, in dem ich vor Ort bin, jede Trainingseinheiten leite. Viel mehr geht es darum, den indischen Trainern zu helfen und diese zu fördern. Sonst bin ich in einem halben Jahr weg und alles ist wieder beim alten. Für mich persönlich hoffe ich, dass ich viele tolle Erfahrungen mit Land und Leuten erlebe, etwas tiefer in die Kultur eintauchen und auch etwas vom Land sehen kann. Nach dem Freiwilligendienst würde ich gerne noch weiterstudieren, aber bis dahin gibt es hier noch einiges zu tun!

Vielen Dank für das Gespräch - wenn ihr Mark unterstützen wollt, dann klickt hier!

Donnerstag, 9. März 2017

eatDoori #12restaurants2017 Frankfurt, Teil 2

Gestern war es wieder soweit: die gute Emi und ich - begleitet vom extra angereitsten Opa R. hatten einen Tisch bei eatDoori am Oeder Weg reserviert. Endlich mal wieder raus aus Sachsenhausen, nachdem #12restaurants2017 #2 bei Moti Mahal eher unspektakulär und wenig aufregend war - sowohl kulinarisch als auch atmosphärisch.

Lecker, Lecker!

Bei eatDoori hingegen war die Luft voll guter Laune und die Bude gerappelt voll - und nach einer Mango Lassi/Kingfisher Bier als Appero auch unser Tisch:
Das Essen war sehr lecker - allerdings nicht unbedingt authentisch indisch, z.B. das Naanwich würde ich mal als Fusion Cuisine bezeichnen und auch mein Chicken Korma war eher auf den europäischen Gaumen abgestimmt. Der einfache Raita hingegen war einfach nur Joghurt, da hätten drei Zwieblstückchen und bisschen Gewürz reingehört.

Opa R. kommentiert:
"Kann man noch mal hingehen."
Das ist auf seiner Skala das höchste Lob für ein Essen was möglich ist, gutes Essen wird für gewöhnlich mit
"Kann man essen."
quittiert. Auch schien Opa R. den portugiesischen Rotwein zu genießen.

Dessert

Aber was wäre ein gutes Essen ohne einen Nachtisch?
Media preview

Auch wenn auf Twitter zum Käsekuchen geraten wurde, fiel die erste Wahl doch auf Kulfi - ein echter Genuss!
Mit vollen Bäuchen wanderten wir anschließend zufrieden zurück nach Dribdebach.

Fazit

Ein gastronomisches und kulinarisches Erlebnis von Anfang bis Ende, mit schönen Details (etwa die indischen Zeitungen auf dem Klo, das Waschbecken dort und der blinkende Leuchtröhrenganesha). Preis/Leistung/Service stimmt. Außerdem nah dem Metropolkino - also auch geeignet für ein Date!

Du kennst noch ein indisches Restaurant in Frankfurt, dass Emi und ich unbedingt testen sollten? Schreib es in die Kommentare - vielen Dank!

Freitag, 27. Januar 2017

Al Bismil #12Restaurants2017 Frankfurt, Teil 1

Wie schon angekündigt, plane ich dieses Jahr mit Emilia zwölf mal indisch essen zu gehen und dabei die kulinarische Bandbreite die Frankfurt hier zu bieten hat, auszutesten. Gestern, am Republic Day ging es los: Al Bismil am Sandweg 8. Das kleine Restaurant hat acht Tische und eine helle Innengestaltung. Außer uns waren nur Inder dort - ein gutes Zeichen!

Zuerst mal einen Chai und dann der Blick in die Karte - eine große Auswahl nordindischer vegetarischer und Fleisch-Klassiker, dazu Vorspeisen wie Pakora,Samosa, Naan und vieles mehr. Die Auswahl viel uns nicht leicht, daher bestellten wir viel:
In der familiären Atmosphäre des Restaurants viel uns das Warten leicht. Nach kurzer Wartezeit bog sich der Tisch fast unter den vielen leckeren Gerichten. Das Essen war wirklich lecker und angenehm scharf. Es war tatsächlich soviel, dass wir noch einen Doggie-Bag mit nach Hause nehmen konnten und das für 24€.

Ich kann Al Bismil empfehlen für alle, die richtig Hunger auf gutes und preiswertes indisches Essen haben. Der nächste Termin für #12Restaurants2017 ist der 22.2. - habt ihr noch Vorschläge, wo wir hin gehen sollen? Gerne einfach einen Kommentar posten!

p.S.: Den Absacker auf dem Rückweg haben wir bei Jannis an der Hanauar Landstraße getrunken - Empfehlung falls ihr mal Bock auf griechisch habt!

Montag, 23. Januar 2017

Indian Vibes - Radio X

Jeden vierten Sonntag im Monat läuft auf dem regionalen, unabhängigen und werbefreien Sender Radio X aus Frankfurt das Format Indian Vibes.
Die inspirierende Petra Klaus macht diese Sendung und hatte mich angefragt, dort über dieses, mein Langzeitprojekt, den Blog zu sprechen. Im Interview ging es um meine Motivation auch nach sieben Jahren noch regelmäßig zu bloggen, um die Faszination für Indien, um Filmfestivals und um mein neues Projekt:
12 Restaurants - am 26. Januar geht's los. Ihr dürft gespannt sein!

Habt ihr noch Empfehlungen für gute, leckere indische/pakistanische Restaurants hier in Frankfurt? Schreibt mir eine E-Mail oder einen Kommentar unter diesen Post!


Wer die Sendung verpasst hat, kann am 31. Januar von 9-11Uhr noch mal auf Radio X reinhören (gibt's auch im Netz) und am Valentinstag, 14.2. auf FSK Hamburg von 13-16Uhr, bei Multicult fm Berlin wird es auch noch mal ausgestrahlt. 

Montag, 16. Januar 2017

Eine Liebe in Indien

Für alle die Interesse an einer lebendigen, etwas kitschigen Geschichte der Unabhängigkeit Indiens und der damit verbundenen Teilung (Pakistan) haben, empfehle ich den Roman "Eine Liebe in Indien" von Catherine Clément. Sie erweckt die Hauptakteure mit all ihren Schwächen und romantischen Belangen zum Leben mit Teils immerhin versucht amüsanten Dialogen, etwa zur An- und Aussprache Nehrus - an der Universtiät dessen Namens ich zufälligerweise studiert habe.

"'Meine Liebe', sagte Lord Mountbatten, als er plötzlich die Tür öffnete. 'Sie müssen sich daran gewöhnen, daß Nehru ein echter Pandit ist. [...] Er ist ein Gelehrter, ein Gebildeter! Sie dürfen ihn nicht bei seinem Eigennamen nennen. Nehruji! Das ist unterhört. Panditji, wenn sie wollen, aber Nehruji!'
[...]

'Dickie, es ist so warm ... Ich habe Migräne.', jammerte Edwina. 'Sie haben immer Migräne, meine Liebe. Und Sie werden Nehru mit seinem Titel anreden!' schimpfte Lord Louis. 'Aber ich weiß doch, was ein Pandit ist, Dickie ... Und sein Vorname, wie ist der doch gleich?' 'Jawarlal. Warten Sie! Nein ... Jawahalal. Ich bringe es durcheinander.' 'Wie sagen Sie?' 'Lassen Sie mich nachsehen...', antwortete er und nahm einen Zettel aus seiner Tasche. Har lal, mit einem >r< und einem >l<. Ja-wa-harlal. Ich rate Ihnen nicht zu dem Vornamen, Sie werden es nicht herausbringen.'
'Ach, dann nenne ich ihn eben Jawahar, und damit basta', sagte Edwina und stand auf."1


"Im Büro machte Lord Louis das Licht an, öffnete die Tür seines Safes und nahm eine Akte heraus, die er Nehru hinhielt, ohne etwas zu sagen. [...]
'Sagen wir, daß ich meine Meinung geändert habe. Ich empfinde viel Zuneigung für Sie, Jawarla. Vielleicht sollte ich Ihnen diese Akte nicht zeigen, aber ich übernehme die Verantwortung.'
Nehru sah ihn freundlich an und nahm das Schriftstück. Ein starkes Glücksgefühl überkam ihn; er war der erste, der die Landkarte des freien Indiens sehen durfte. [...]
'Ich habe volles Vertrauen zu Ihnen', murmelte Nehru. 'Wenn Sie erlauben, gehe ich nun und sehe es mir an.' [...] Und auf einmal umarmte er den Vizekönig. 'Nur noch eins, Sir, wenn Sie erlauben.', sagte er beim Hinausgehen.
'Mein Vorname ist Jawaharlal, Nicht Jawarla.'2


1 Clément, Catherine: 'Eine Liebe in Indien', München 1999, S. 62f.
2 Ebd., S.181f

Donnerstag, 5. Januar 2017

Don't worry, chicken curry!

Gelegentlich kommt man ja mal in Gesprächen auf das Thema indisches Essen. Hier in Frankfurt gibt es ja glücklicherweise diverse authentische Inder, die sich auch an NRIs richten. Andernorts gibt es aber indische Restaurants, die vor allem den europäischen Gaumen bedienen und entsprechend schwach würzen (und schärfen). 

Currywurst mit Pommes Schranke

Ein weiteres Missverständnis existiert rund um den Begriff "Curry". Bei uns bezeichnet das ja vor allem die Currywurst, die mit Currywurstgewürz ihren unverkennbaren Geschmack bekommt. Dabei gibt es keine Pflanze oder ein Grundrezept, das Curry heißt. Der Zeichner, Autor und Weltreisende Krish Raghav behauptet sogar, dass das Wort Curry ein eigenes Universum eröffnet: 
Krish Ragav über Curry
Also, falls ihr das nächste Mal beim Inder das Wort Curry lest, bestellt es und lasst euch überraschen, in welche Galaxie es euch führt. 

#12Restaurants2017

Falls ihr nicht wisst, zu welchem Inder ihr gehen sollt, freut euch auf dieses Jahr. Ich werde jeden Monat zusammen mit der großartigen Emi ein indisches Restaurant hier in Frankfurt testen und darüber berichten. Stay tuned! 

Donnerstag, 10. November 2016

Fernweh: Die Farben Indiens

Für 2017 stehen meine Reisepläne zwar noch nicht en Detail fest, aber da ich derzeit Kriterien wie nicht-zu-weit, nicht-zu-laut und nicht-zu-heiß-nicht-zu-kalt auf mögliche Destinationen anwende, scheidet Indien fürs erste aus. Das ist natürlich sehr schade, aber ein Cluburlaub in Indien ist keine Option und eine Rucksackreise mit einer 3-jährigen klingt nicht nach dem Grad an Erholung für den ich meine Urlaube derzeit brauche.

Um mein Fernweh nach dem bunten, lebendigen, unberechenbaren, lauten Indien aber nicht zu schwer werden zu lassen, werde ich zum einen fleißig weiter indische Filme schauen - und zum anderen habe ich für 2017 einen Kalender, der mir die fulminanten Farben und Impressionen Indiens an die Wand im Büro bringt.
Das Deckblatt "Die Farben Indiens 2017" zeigt das Hawar Mahal in Jaipur.

Im März: Waschfrauen am Yamuna, im Hintergrund das Taj Mahal.
Im November: Der Goldene Tempel in Amritsar.
September: Der Geburtstagsmonat.
Natürlich zeigt der Kalender nur wohl gewählte Ausschnitte sowie die klassischen touristenfreundlichen Sehnsuchtsmotive - ich weiß auch, dass das nicht alles ist und dass Indien viel mehr als ein gutes Fotomotiv ist. Aber bis ich wieder einen Rucksack packe, reicht das erst mal. Für die Gerüche Indiens kann ich übrigens ausgewählte Teile des Frankfurter Bahnhofsviertels empfehlen ...

Und damit es mit der entspannten Urlaubsplanung auch was gibt, habe ich außerdem noch einen Familienkalender für die Küche. Sehr praktisch um mehrere Personen und deren Termine in der Übersicht zu haben und idealerweise weder Geburtstage, Schliesstage in der Kita, Jubiläen oder ähnliches zu vergessen. 

Und wer weiß, vielleicht ruft mich das Abenteuer und ich schreibe ich doch mal Delhi oder Kolkatta rein statt dem schönen Westerwald, der wunderschönen Rhön und meinem lang geliebten Bodensee? 

Und wohin geht Deine nächste Reise?