Mittwoch, 28. September 2016

New Generations – Independent Indian Filmfestival 2016

Ende Oktober findet in Frankfurt das unabhängige indische Filmfest New Generations statt. Markiert euch also den 27.-29.10. im Kalender, reserviert Tickets bei Orfeos Erben und seht indische Filme jenseits von Bollywood im Originalton mit englischen Untertiteln. Im Vorlauf zum Festival habe ich mit der Veranstalterin Petra Klaus über das Filmfest gesprochen:

Das indische unabhängige Filmfestival "New Generations" gibt es seit acht Jahren in Frankfurt. Wie kam es dazu?
PK Das Festival zu machen, war die Idee von meinem Kollegen Binu Kurian Joseph im Herbst 2008. Er hatte beobachtet, dass eine neue Generation junger indischer Filmemacher einen ganz anderen Typ von Filmen macht: Independent Filme mit einem neuen Look und Feel und vor allem - ganz wichtig - auch mit anderen Inhalten, die viel näher an der Realität der Menschen war als die Bollywoodfilme mit ihrem Eskapismus. Ich fand die Idee super, und so waren wir das erste Filmfestival, das 2009 die neuen Independent Filme aus Indien präsentierte.
Petra Klaus und Binu Kurian Joseph beim New Generations Festival 2015

Was ist das besondere an den Filmen, die beim New Generations Festival laufen? Was unterscheidet sie vom Mainstream-Bollywood-Kino?
PK Hier möchte ich mit den Worten von Ashvin I. Devasundaram antworten, dem Autor des weltweit ersten Buchs über das neue indische Independent Kino: India’s New Independent Cinema: Rise of the Hybrid: 'Lange wurde Bollywood weltweit als cineastisches Kürzel für Indien angesehen. Allerdings ändert sich das gerade. Der unaufhaltsame Aufstieg des neuen indischen Indie Kinos hat eine stille Revolution ausgelöst. Eine Palette von frischen Filmemacher-Talenten bemalt eine komplett andere Leinwand als Bollywood, und verwendet prägnante, experimentelle alternative und soziopolitisch orientierte Inhalte. Auch wenn die neue Welle der indischen  Independent Filme Bollywood, den langlebigen Potentaten des indischen Kinos, noch nicht entthront hat, beweist deren wachsende Beliebtheit in Indien und in der ganzen Welt, wie unauffällig die neuen Indies auf der indischen Kinobühne aufgetreten sind. – weitestgehend unterschätzt und größtenteils unangekündigt.'
Szene aus Masaan
Ich freue mich schon sehr auf das Festival im Oktober. Besonders gespannt bin ich auf den Short Film Wallah - nachdem ich beim indischen Filmfest in Stuttgart ja schon in der Kurzfilmjury war und dort eine große Vielfalt an Filmen erleben konnte, bin ich neugierig, welche Filme für das Frankfurter Festival in der engeren Wahl sind. Auf welchen Film freust Du Dich dieses Jahr am meisten - und warum?
PK Als Festivalmitorganisatorin freue ich mich natürlich auf alle Filme gleichermaßen, da jeder Film einen besonderen Aspekt hat. "Die Zeit der Frauen" zeigt mutige Frauen, "Ottaal" ein bewegendes Kinderschicksal, "Thithi" ist eine dramatische Komödie, die Kurzfilme verhandeln stellvertretend viele aktuelle Themen. In "Masaan"  prallen überkommene Überzeugungen und neu entstehende Normen und Ambitionen - gerade in Beziehungen - dramatisch aufeinander. In der bewegenden Doku "Song of Lahore" kämpfen Musiker um eine Kunst, die ihr Leben ist.

Vielen Dank für das Interview - wir sehen uns dann im Kino!

Gesamtprogramm New Generations 2016

Alle Filme laufen im Orfeos Erben
Hamburger Allee 45, 
60486 Frankfurt am MainKartenreservierung: 069 707 69 100


Donnerstag, 27. Oktober 2016

20:00 Frankfurtpremiere 
        Zeit der Frauen - Parched (Indien 2015) 




Freitag, 28. Oktober 2016

16:30 Zeit der Frauen - Parched
19:00 Deutschlandpremiere 

         Song of Lahore (Pakistan/USA 2015)
21:00 Short Film Wallah (Indien, weltweit, 2016) 





Samstag, 29. Oktober 2016

14:00 Zeit der Frauen - Parched
17:00 Ottaal (Indien 2015)
18:30 Thithi (Indien 2016)
21:00 Masaan (Indien 2015) 

Mittwoch, 17. August 2016

Making It

In Frankfurt gibt es viele öffentliche Bücherschränke, seit einer Weile auch zwei hier in Sachsenhausen. Ich bin der größte Fan dieses Konzepts und hole mir dort regelmäßig meine Dosis gedruckter Geschichten, die ich anschließend dort auch wieder los werde.

Manchmal sind Klassiker dabei wie neulich 1Q84 von Haruki Murakmi, aber manchmal eben auch besonders hochwertige Exemplare der Belletristik: "Making It" aus dem Jahr 1988 fiel mir kürzlich in die Hände. Für den zeitgenössischen Medienwissenschaftler ist die Darstellung von Telefonaten und den vielfältigen Versuchen Personen zu erreichen übrigens durchaus amüsant - oder wann haben Sie zum letzten Mal in einem Restaurant angerufen, in der Hoffnung dort jemanden zu erreichen?

Glory of the 80's: Coveransicht "Making It", Ruth Carr

Plot: Reiche Frau wird arm, muss arbeiten und verliebt sich neu. Das Buch spielt in London und auf dem englischen Land und kommt natürlich nicht ohne den Quoteninder aus - seine genaue Beschreibung folgt hier:

Anil Patel had come to this country twenty years ago as an extremly poor, gangly teenager from Gujarat in India. He was now an extremly rich, portly, middleaged man who had all but forgotten the days when his English was so poor he would tell people he had been to have his legs photocopied when he'd been for a chest X-ray.
Anil realised very early on that while his English teachers might teach him not to dangle his participles and could correct his written English so that it read: "I go for a walk in the park" rather than "I go for a wank in the park", they could not teach him how to make a living. He duly let the English language take care of itself and went on to opening garages, newsagents', fast food outlets and buying and selling property - some of which he was now showing me round.
I had never seen a flat so small. It wasn't really a flat - it was a room with a bed and a kitchen sink. The smell of barbecued chicken was strong - it would be like living over a chip shop - but I suppposed I could always keep the window open. [...] Across the landing was an evil-smelling loo and a bath [...] "You share with the peoples," Anil informed me. The rent was extortionate. [...] "You give me week's rent in advance," said Anil, who had not made his money through being slow. "I have man from Bangladesh who want this flat but I like you." [...] "I'll take it."
Aus Carr, Ruth: "Making It", London 1996, S.255f.

Diese kurze Beschreibung einer Person zeigt viele stereotypen Eigenschaften von Indern in England: die unvollständige Aneignung der englischen Sprache, der Geschäftsinn aus noch dem kleinsten einen Profit zu schlagen und generell sehr geschäftstüchtig zu sein und natürlich auch in Verhandlungen gute Argumente zu haben.

Heute leben etwa 1,5 Millionen Inder (gebürtig aus Indien oder in Großbritannien geborene Inder) im Vereinigten Königreich, das sind 2,3% der Gesamtbevölkerung, die Mehrheit davon lebt in London. Siehe dazu auch Wikipedia.

Dienstag, 9. August 2016

Unnoticed: Children of JNU Construction Workers

Schon seit vielen Jahren gibt es an der JNU ein Projekt namens "Unnoticed". Studenten unterstützen ehrenamtlich die Kinder der Arbeiter auf dem Campus. Sie sorgen dafür, dass diese in die Schule gehen, geimpft werden und auch nachmittags eine Betreuung bekommen, die über einen normalen Lehrplan hinaus geht. Dieses Video zeigt sehr lebendig, wie die konkrete Hilfe vor Ort umgesetzt wird und was der Einsatz der Studenten für die Kinder und ihre Familien bedeutet. Spenden an diese Organisation zu senden ist schwierig, vor Ort werden aber Gelder durch Fotoausstellungen und Kalender generiert, die Arbeit der Studenten ist ehrenamtlich. Auch auf Facebook.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Indisches Filmfest Stuttgart

Von manchen Dingen träumt man ja ein Leben lang, etwa Sharukh Khan zu treffen oder mal bei einem Filmfestival nicht nur über den roten Teppich zu laufen, sondern auch in der Jury zu sitzen. Dieser Traum wird jetzt für mich wahr: in 2 Wochen werde ich in Stuttgart beim Indischen Film Fest zusammen mit Huan Vu und Insa Wiese aus 16 nomierten Kurzfilmen einen Gewinnerfilm wählen.

Auf dem Festival werden übrigens nicht nur viele tolle Filme als Deutschland oder sogar Europapremiere gezeigt, sondern es gibt auch ein cooles Rahmenprogramm mit Tanz, Tabla, Ausstellungen und vielem mehr. Ich freue mich schon sehr auf Stuttgart (seit kurzem auch eine von 7 Städten in Deutschland mit einem #DMW-Quartier!!) und natürlich auf die Filme! 
Folgt dem Hashtag #IFFStuttgart oder kommt direkt dort zum Festival für mehr - und funkt mich an!

Mittwoch, 29. Juni 2016

#महिला संघ #Sisterhood

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #Sisterhood der Digital Media Women e.V.. Ich leite das Quartier der #DMW in Rhein-Main

Diddi! [दीदी] 

In Indien nennt man so die große Schwester im familiären Umfeld. Als ich damals in Delhi war, haben meine exzellente Kommilitonin Anna und ich uns auch so angeredet – schon bevor wir los geflogen sind. Vor Ort wohnte ich auf dem Campus in einem reinen Frauenwohnheim, in dem Männer nur unter strengsten Auflagen erlaubt waren – etwa als Köche oder in der Administration, aber niemals als Besucher. Das Leben dort, in dieser sehr femininen Umgebung war durchaus speziell. Meine Nachbarin im Nebenzimmer war ein Sikh, die Naturwissenschaften auf Ph.D. studiert hat. Da es ihre Religion gebietet, hat sie sich noch nie die Haare geschnitten. Jeden Morgen traf ich sie im Gang vor unseren Zimmern während sie ihre laaaaaangen Haare ausgiebig kämmte. Eine Bewohnerin des Hostels aus Japan hatte aus ihrem 7m² Zimmer ihr Bett zu Gunsten eines Kühlschranks (illegalerweise) verbannt. Sie schlief traditionell einfach auf dem Boden. Eine besondere Begleitung wurde mir durch Rhia zuteil: sie zeigte mir, wie man einen Sari wickelt, wie kompliziert Beziehungen zwischen Männern und Frauen in Indien sind und was es bedeutet, einen unabhängigen Weg zu gehen. Das Gemeinschaftsgeühl unter den Bewohnerinnen war stark, zumal es eine Antagonistin gab: die Madam, die das Hostel leitete. Professorin, Hausdrache und Göttin der Willkür in Personalunion konnte sie je nach Laune unser Leben schwierig machen - etwa bei der monatlichen Abrechnung der Zimmer, für die man mit abgezahltem Bargeld in einem 1h Slot erscheinen musste... 

#Sisterhood heute

Aber genug der folkloristischen Anekdoten - was bedeutet mir die Schwesternschaft, die Verbundenheit mit anderen Frauen allgemein? Meine beiden Schwestern sind natürlich ganz wichtig - und auch wenn wir ganz unterschiedliche Wege gehen, vertraue ich doch beiden zutiefst. Ich habe auch immer viele Freundinnen mit denen ich schwimme, wohn(t)e, reis(t)e, Projekte umsetze und nicht zuletzt mit den DMW und vor allem mit dem Quartier Rhein-Main die Basis für ein richtig starkes Netzwerk. Im Beruf hält es sich momentan in Grenzen mit den Kolleginnen - als Selbstständige habe ich nur die Schreibtischnachbarinnen im Büro. Aber der Austausch mit ehemaligen Kolleginnen und auch die Beratung von Startup-Gründerinnen ist Teil des #Sisterhood - haben wir Frauen doch ähnliche Probleme in vielen Bereichen und gleichzeitig Stärken, die man nie unterschätzen sollte. 

Netzwerken, netzwerken, netzwerken

Mein Weg in die Selbstständig hätte ohne die DMW so nicht statt gefunden und es ist mir daher eine Herzensangelegenheit Frauen zu unterstützen - sei es konkret mit Texten, PR, Social-Strategie und kreativen Ansätzen, oder aber einfach zwischenmenschlich mit zuhören, kleinen Albernheiten, etwas krudem Humor und kleinen Alltagsweisheiten. Nicht, dass ich Männer weniger schätze, aber mit Frauen ist es oft einfacher über fundamentale Dinge einvernehmlich zu sein und entsprechend schwesterliches Verhalten und Vertrauen zu empfinden. Vor allem in der Digitalbranche ist es auf den oft von Männer dominierten Events häufig nur ein Blickwechsel und schon hat man sich mit den wenigen anderen Frauen verbündet - spätestens wenn man sich auf der Toilette trifft. Vielleicht sind das die Altherrenclubs der Zukunft - die Frauenbekanntschaften auf der Toilette, die schließlich starke Seilschaften werden und "diese Sache mit der Gleichberechtigung" irgendwann endlich obsolet machen. Dazu passt mein Vortrag vom #wmfra zu Frauen und Gründung eigentlich ganz gut ;-) 

Dienstag, 12. April 2016

Maria Qamar

Die Verbindung westlicher Popkultur mit traditionellen indischen Werten und Darstellungsweisen ist häufig ein Schauplatz der Komik und des (ungewollten) Humors. Häufig endet die westliche (Pop)Kultur auch einfach im Tragen von Marken und Labels, die Personen dann "westlich, fortschrittlich" erscheinen lassen. Mein Versuch mit Henna Mehendis mit Rockabillysymbolen etc. zu malen, hat sich ja leider (noch) nicht durchgesetzt.

Maria Qamar ist die Vermischung der Siebdruckästhetik à la Roy Lichtenstein mit den Erwartungen der indisch-geprägten Gesellschaft an Frauen besonders gut gelungen. Auch bekannt als @Hatecopy zeichnet die Pakistani-Kanadierin wunderbare Eindrücke aus ihrem Leben ins Netz:


Einen umfassenden Artikel mit noch mehr Bildern findet sich in Broadly und bei Dazed.

Danke an Petra vom New Generations Independent Indian Film Festival, die mich auf Maria Qamar aufmerksam gemacht hat.

Dienstag, 29. März 2016

MASAAN

Jippie - ich habe beim Newsletter von Daniela Cappelutti gewonnen! Am 1. April gehe ich im Rahmen des Lichter Filmfest zur Deutschlandpremiere von Masaan
Hier gibt's den Trailer