Sonntag, 4. August 2013

Mit Axt und Gift

Ein verletztes Ego haben einen 23-jährigen Studenten an der JNU in Delhi dazu gebracht auf seine Angebetete mit der Axt los zu gehen und sich später selber mit Gift zu töten, wie die Hindustantimes berichtet. Diese Romeo-und-Julia-Tat löst eine kritische Diskussion über die Verfügbarkeit von Waffen auf dem Campus aus, aber auch über die sehr liberale Wohnheimssituation. Die JNU war die erste indische Uni, an der es erlaubt wurde, dass Jungen und Mädchen im gleichen Wohnheim wohnen.
Yamunu Hostel, JNU - Umzug eines Ventilators
Dazu kann ich kommentieren, dass Mädchen die Jungenzimmer auch besuchen dürfen, (aber nicht andersherum). Überhaupt ist die Situation, was die Jungenzimmer angeht recht entspannt - ich habe damals ja in einem reinen Mädchenwohnheim gewohnt - da durfte mir nicht mal der Matrazenlieferant die Matratze aufs Zimmer tragen, die durfte ich schön selber beim Pförtner/Wachmann/Aufpasser abholen. 

Mittwoch, 31. Juli 2013

Fit und smart

In letzter Zeit habe ich mich mal wieder in unbekanntes Neuland gewagt und mich mit zwei spannenden, wenn auch nicht zusammen gehörenden Dingen beschäftigt.

Hochintelligenz als Thema und im speziellen die Gründung eines "Instituts für Begabtencoaching" in Ober-Eschbach bei Bad Homburg hielt mich einige Wochen beschäftigt - dort gibt es wunderbare Räume und tolle Seminare - und eine ganz hervorragende Webseite - check it out!

Im wahrsten Sinn des Wortes in Action versetzt hat mich außerdem ein kleines Gerät namens Fitbit - meinen zugehörigen Text habe ich als Gastbloggerin hier auf newgadgets.de veröffentlicht.

Ich denke, ich darf mich jetzt zu Recht jetzt, neben Creative Planner, M.A., Kulturschmock und Paulchen3000, auch noch "Techbloggerin" nennen.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Holland war auch mal ...

Hotel des Indes, Den Haag
... eine Kolonialmacht, das vergisst man ja leicht. Eigentlich heißt es auch nicht Holland, sondern Niederlande. Auf Französisch übrigens "Pays-Bas". Das niederländische Kolonialreich reichte um die ganze Welt und auch bis nach Indien. Die Liste der entsprechenden Kolonien und Handelsstützpunkte in Indien selber ist lang und reicht von Bengalen bis Thoothukudi. "Niederländisch-Indien" aber war kein Teil Indiens, sondern ein Vorläufer des heutigen Indonesiens.

Freitag, 28. Juni 2013

10 (oder mehr) Dinge, die man über Indien nicht weiß

In diesem BBC-Artikel sind fantastische Fakten versammelt - etwa dass kaum ein Inder Einkommenssteuer zahlt, dass Print nicht tot ist, sondern man in Indien mit gedruckten Zeitungen langfristig noch Geld verdienen kann und dass es immer und überall Plastikstühle gibt. Ich würde der Liste noch hinzufügen, dass

- Männer in indischen Schwimmbädern keine Shorts tragen dürfen, sondern nur Badehosen im Speedo-Schnitt (die können nicht so leicht rutschen)

- Indien teilweise auch französisches Kolonialgebiet war - in Pondicherry etwa gibt es auch heute noch wunderbare Éclairs, Quiches und ein Lycée

- Der durchschnittliche indische Erwachsene ist 165,3 cm groß

Fällt Euch noch was ein?

Samstag, 22. Juni 2013

Bollywood - like a lion

Man sehe sich diesen Action-Stunt an - welches Kino auf der Welt kann solche Special-Effects sonst noch zaubern? Das hier gezeigte Spektakel stammt aus dem Film Singham - weitere Szenen lassen sich auch hier bestaunen. Sinn, Unsinn oder Handlung sind dabei zweitrangig.

Sonntag, 9. Juni 2013

Endlich Sommer (in Delhi)

"ALL was prepared for the summer exodus: the trunks packed, the household wound down, wound up, ready to be abandoned to three month of withering heat and engulfing dust while its owners withdrew to their retreat in the mountains.  [...] It was only the prospect of escape from the blinding heat that already hammered at the closed doors and windows, poured down on the roof and verandas, and withdrawal to the freshness and cool of the mountain which helped them to bear it."

Desai, Anita: "Royalty" in Desai, Anita: "Diamond Dust", London 2000, S.1f. 


Google Wetter 

Donnerstag, 30. Mai 2013

Paulindiana VI: Die Symphonie der 1000


Mittlerweile erlebe ich meine Abenteuer auch digital auf Twitter, manchmal aus Zügen, von Konferenzen aber auch aus Museen. Bei diesen so genannten Kultups habe ich Ulrike aka Orchestrasfan kennengelernt. Sie organisiert nicht nur die Kultups, sondern ist auch ein ausgesprochener Klassikfan – aber keine Barockmusik! Tatsächlich gab es sogar schon mal einen Kultup beim Orchester des Hessischen Rundfunks – leider ohne mich da Samstagmorgen 10Uhr. Dennoch oder grade, weil ich dieses Ereignis verpasst hatte, lud mich Ulrike ein, auf ihrer Konzertcouch Platz zu nehmen. Zuvor hat dort schon Robert Basic gesessen und Pärt, Ligeti und Großkopf (wer kennt sie nicht?) gelauscht – und so saß auch ich Samstagabend in der Alten Oper, während draußen das Wolkenkratzerfest tobte und die Welt auf die Wembleyarena schaute.
So sieht Twitter aus.
Frau XX und Dr. Dings
Vor dem Konzert besuchten wir die „Einführungsveranstaltung“ mit der scheinbar renommierten Frau Coy und dem Direktor des Hessischen Rundfunks und Musikwissenschaftlers Dr. Sommer. Beide fachsimpelten eloquent über Mahler, seine Frau Alma, (eine Promischlampe?), die ihn für den Architekten Gropius verlies und die 8. Symphonie, umgangssprachlich als Symphonie der Tausend betitelt und von Frankfurts höchst eigenem Dialektiker Theodor W. Adorno als „Riesenschwarte“ diffamiert. 

Die 320 Musiker die in Frankfurt auf der Bühne standen sind unter anderen gleich drei Chöre, vier Harfen und sieben Solisten – ein gigantischer logistischer Aufwand – daher wird die achte Symphonie auch nur recht selten aufgeführt – in Frankfurt zuletzt vor zwanzig Jahren zur Eröffnung der Alten Oper. Die Uraufführung 1910 in München fand tatsächlich mit über 1000 Musikern statt – daher der Beiname. Mahler selber mochte diesen Namen aber nicht. Was Mahler aber mochte war sein Job – er war in Wien 1906 der Leiter der Hofmusik der damals noch glorreichen und mächtigen KuK-Herrschaft. Er nannte sich tatsächlich selbst den König des Südens. Wenn man nach Wien fährt, merkt man schnell, wie leicht man dort glauben kann, Teil eines großen, mächtigen Reichs zu sein. Die gesamte Stadt protzt und prunkt und strahlt Herrschaft aus. Das dort ein Werk entsteht, dass vor Jubel und majestätischer Größe nur so strotzt, kein Wunder. Schade nur, dass das dann alles doch bald den Bach runter ging – aber das erlebte Mahler zum Glück nicht mehr, er durfte seinen Fortschrittsglauben mit ins Grab nehmen.
Wien, ca. 1906.

Pfingsten und Faust
Jetzt aber zum eigentlichen Konzert – darüber kann man eigentlich nicht viel sagen, man muss halt dabei gewesen sein, das ephemere lässt sich immer so schwer einfangen. Trotzdem habe ich natürlich was zu erzählen: die 8. Symphonie besteht aus zwei Teilen – dem Pfingsthymnus (Veni creator Spiritus – gerne auch beim Grillen zitiert), der mir bis dato auch gar nichts sagte, und dem Ende des Faust 2. Leider waren meine Deutschlehrer so schlecht um nicht zu sagen miserabel, dass ich (damals ging das noch) Deutsch nach der 11. Klasse abwählte. Daher kreuzte Faust meinen Weg erst in Indien, als mich dort fast jeder darauf ansprach und ich diese Bildungslücke schloss. Für Teil 2 war ich dann aber leider doch nicht zäh genug. Daher erschließt sich mir die Wahl der Themen dieses Stückes nicht, man munkelt aber, dass es in Bälde einen Radiobeitrag zu eben diesem Thema geben wird. 

Zum Hörerlebnis: der erste Teil ist bombastisch, euphorisch und könnte jedem B-Movie Showdown zum Oscar verhelfen – ein einziges großes Finale bei dem ich tatsächlich Gänsehaut hatte. Der zweite Teil hingegen ist eher episch, tragend, soll sagen langweilig. Die Solisten singen deutsche Texte, die nicht zu verstehen sind, die Musik schleppt sich so dahin und zum Schluss gibt es dann noch mal ein Finale, das alle Akteure zu Höchstleistungen treibt. Danach darf man endlich klatschen – was man ja als Kulturschmock nach den einzelnen Sätzen nicht niemals nie tuen darf. Für mich wäre es stimmiger gewesen die beiden Teile in umgekehrter Reihenfolge zu spielen, aber Mahler hatte da bestimmt seine Gründe.
319 seriöse Musiker, eine Dame in Pink.

Crémant und Revolution
Nach einer langen Applaussession mit Blumen und Standing Ovations begaben wir uns dann wieder hinaus ins Getümmel des Wolkenkratzerfests – eine kleine, nasse Ohrfeige. Aber zum Glück ortskundig flohen wir dann flugs in das wahrscheinlich einzige Etablissement in dem an diesem Abend kein Fußball lief, tranken einen fröhlichen Crémant und planten die Revolution.